BEWÄLTIGUNGSORIENTIERTE VERHALTENSTHERAPIE MIT PAAREN

 

Hintergrund

Die Grundlage für die bewältigungsorientierte Verhal­tens­therapie mit Paaren, den Ansatz, den ich anbiete, bildet zum einen die kognitive Verhaltenstherapie, zum anderen die jahrzehntelange internationale Grundlagenforschung bei Paaren. Diese Ausrichtung der Paartherapie bemüht sich um den Einsatz von empirisch evaluierten Methoden, der laufenden Integration neuer theoretischer und empirischer Ergebnisse aus der Grundlagenforschung und eine ständige Weiterentwicklung.

 

Der Ansatz versucht neben Einsicht in die Probleme vor allem die Kompetenzen des Paares zu stärken. Die Forschung zeigt, je besser die Partner miteinander kommunizieren, Probleme lösen und gemeinsam mit Alltagsstress angemessen umgehen können, desto günstiger ihr Partnerschaftsverlauf. Diese Fähigkeiten können erlernt und in der Therapie neu gefestigt und ausgebaut werden.

 

Der Ansatz ist problemorientiert (die aktuellen Probleme des Paares sollen verstanden und gelöst werden), zielorientiert (das Paar definiert mit dem Therapeuten zusammen die Ziele, welche in der Therapie erreicht werden sollen) und ressourcen- und lösungsorientiert (dem Paar wird Hilfe zur Selbsthilfe gegeben und seine Kompetenzen erweitert).

 

 

Indikation der Paartherapie

Paartherapie ist bei Unzufriedenheit, Partnerschaftskrise, Trennungs- und Scheidungsgedanken indiziert. Aber auch Paare, welche ihre Vitalität und Faszination füreinander verloren haben und ihre Beziehung reanimieren möchten, sind an der richtigen Stelle. Häufig kann Paartherapie auch zur Behandlung von individuellen Störungen (Depressionen, Ängsten, Sexualstörungen) erfolgreich eingesetzt werden.

 

       

      Wie funktioniert bewältigungsorientierte Verhaltenstherapie für Paare?

      Je nach Ausgangssituation, die bei jedem Paar anders aussieht, bestimmen das Paar in enger Zusammenarbeit mit dem Therapeuten die gegenwärtigen Probleme, die Bedingungen, die für die Probleme verant-wortlich sind und die Ziele der Therapie. Der Therapeut erklärt die möglichen therapeutischen Methoden und plant gemeinsam mit dem Paar Schritt für Schritt das konkrete Vorgehen, wobei die Methoden immer an die individuellen Ziele und Bedürfnisse des Paares angepasst werden. Drei Ziele können in der Paartherapie zur Bearbeitung anstehen: 1) die Verbesserung der Partnerschaftsqualität, 2) die Klärung, was beide Partner in dieser Beziehung erreichen können und wollen, und ob sie diese aufrechterhalten möchten und (3)  eine konstruktive Trennung oder Scheidung. Zu Beginn der Therapie wird geklärt, welches Ziel das Paar verfolgen möchte.

 

 

Zu den wichtigsten therapeutischen Methoden dieses paar­therapeutischen Ansatzes gehören:

 

Wahrnehmungsveränderung: Um die negative Sicht vom Partner und der Partnerschaft zu überwinden, wird geübt, im Alltag auf positive, angenehme Verhaltensweisen des Partners zu achten und zu notieren, welche Verhaltensweisen des Partners als positiv erlebt werden. So wird die Aufmerksamkeit weg vom Negativen zum Positiven gelenkt und im Verhalten Positivität wieder zugelassen und in ihrer Auftretens­wahr­scheinlichkeit erhöht.


Kommunikationstraining:
In geleiteten Gesprächen wird Schritt für Schritt geübt, sich zu öffnen und eigene Empfindungen (Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche, Ziele) dem anderen angemessen mitzuteilen, anstelle von Schuldzu­weisungen, Vorwürfen oder Abwertungen des Partners. Auch die Fähigkeit, aktiv zuzuhören, den anderen zu verstehen und offene Fragen zu stellen wird in diesem strukturierten Übungssetting eingeübt.

 

Problemlösetraining: Hier wird trainiert, wie Problem­situationen und Alltagsprobleme als Paar wirksam gelöst werden können, um unnötige, zum Problem dazukommende, Streitigkeiten zu minimieren.

 

3-Phasen-Methode: Diese Methode dient der Stärkung des wechselseitigen Verständnisses, der Intimität, des Vertrauens und des Wissens, dass der Partner für einen da ist, wenn man ihn braucht. Durch dieses Training wird die gegenseitige Unter­stützung gefördert und die dyadischen Ressourcen gesteigert. Ziel ist es, sich gegenseitig besser kennenzulernen und sich in Belastungs­situationen die Hilfe und Unterstützung zuteilwerden zu lassen, die man wirklich braucht. Die 3-Phasen-Methode ist ein Kernstück der bewältigungsorientierten kognitiv-verhaltens­thera­peutischen Paartherapie. Sie hilft schwieriges Partnerver­halten anders einordnen zu lernen und durch dieses Ver­ständnis auch besser akzeptieren zu können.

 

Akzeptanzarbeit: Die Vorstellung, dass der Partner so sein wollte, wie man es sich vorstellt und notfalls nach diesen Vorstellungen geformt und verändert werden müsse, führt in vielen Partnerschaften zu Konflikten, Machtkämpfen und Verletzungen. In dieser Einheit der Therapie überlegen sich beide Partner, was sie aneinander stört, was man sich unbedingt wünscht, was der andere bei sich ändern sollte, was man aber auch selber am anderen akzeptieren lernen muss. Gegenseitige Toleranz steht im Zentrum dieser Arbeit. Es wird die Einsicht gefördert, dass gewisse Seiten und Wesenszüge des Partners nicht geändert werden können und beide Partner zu einem gewissen Kompromiss bereit sein müssen. Das Paar wird angeregt, Paarkonflikte als ein Problem zu sehen, das beide betrifft und das gemeinsam bewältigt werden muss. So wird von der Vorstellung Abschied genommen, dass der Partner der Gegner ist.

 

Erwartungen: Sehr hohe, oftmals überfordernde Erwartungen an den Partner/die Partnerin können zu grossen Ent­täuschungen führen. Einige dieser Erwartungen (der Partner muss meine Gedanken lesen können, mein Partner muss perfekt sein, in einer Partnerschaft muss man immer und jederzeit füreinander da sein) werden bewusst gemacht und bearbeitet.

 

 

Arbeitsweise

Je nach Problemstellung werden unterschiedliche Methoden angewendet. Gearbeitet wird neben den klärungsorientierten Momenten, vor allem mit Übungen und geleiteten Gesprächen sowie mit Aufgaben für zu Hause, welche der Selbstbeobachtung und Festigung des in der Therapie Gelernten dienen.

 

Bei allen Problemen gleich ist jedoch, dass immer alle Sitzungen ausschliesslich mit beiden Partnern stattfinden und auch zwischen den Sitzungen keine individuellen Kontakte (per Telefon, E-Mail usw.) stattfinden. Alles Wesentliche soll in den Therapiesitzungen besprochen werden und in Anwe­sen­heit beider Partner, um Transparenz und Unparteilichkeit des Therapeuten/der Thearpeutin zu gewährleisten.

 

 

Rhythmus der Therapie

In der Regel findet alle zwei Wochen eine Therapiesitzung (zu 100 Minuten) statt.

 

 

Dauer der Therapie

Es gibt keine fixe Dauer der Paartherapie. Aufgrund von Erfahrungswerten dauert eine Paartherapie zwischen 5 bis 20 Sitzungen à zwei Stunden (d.h. 10 bis 40 Stunden), wobei je nach Problemkonstellation, deren Intensität und Chronizität, dem Stadium der Inanspruchnahme der Therapie und weiteren Bedingungen die Dauer kürzer oder länger sein kann.

 

 

Wirksamkeit der Paartherapie

Diese Form der Paartherapie gehört zu den Therapieformen, deren Wirksamkeit am besten wissenschaftlich überprüft und dokumentiert wurde. In vielen Studien konnte belegt werden, dass die verhaltenstherapeutische Paartherapie die Partner­schaft wirksam und nachhaltig verbessern kann.